Im Leben von Elsa Egger (83) dreht sich alles um Kerzen und Familie. Im Gespräch erzählt die Patronin der Hongler Kerzen in Altstätten, warum sie immer noch täglich in der Firma ist und worauf sie bei Kerzen kritisch achtet.
«Wenn es auf Weihnachten zugeht, müsste ja nicht unbedingt ich als Person, sondern mehr die Kerzen und das Licht im Vordergrund stehen», sagt Elsa Egger zur Begrüssung. Sie stellt sich nicht gerne in den Mittelpunkt. Dennoch hat sie im Unternehmen eine starke Präsenz und ist immer noch operativ im Geschäft des Kerzen-Unternehmens tätig. Sie steht im engen Austausch mit Mitarbeitenden und Kunden. «Ich bin schon sehr eingebunden in der Firma», bemerkt sie. Es sei ihr aber auch bewusst, dass sie in einem sensiblen Alter sei und nie wisse, in welche Richtung es weitergehe. Im Moment ist sie im Schuss, denn es herrscht Hochbetrieb. Nebst der Weihnachtsausstellung locken das Kerzencafé und das Kerzenziehen zusätzliche Besucherinnen und Besucher an. Weitere Höhepunkte im Geschäftsjahr sind Lichtmess und Ostern, daran habe sich bis heute nichts geändert. «Beliebt ist momentan auch das Zelt für den Rampenverkauf. Leute kaufen aufgrund der drohenden Energie-Knappheit vermehrt Kerzen für den Notvorrat ein», erklärt die Geschäftsfrau.

Mit der Firma verheiratet
1955 hat Elsa Egger die KV-Lehre bei Hongler Kerzen absolviert und 1962 folgte die Heirat mit dem damaligen Geschäftsführer. Mit dem Eintritt ihrer drei Söhne in die Firma gab es einen Umbruch. Der Handwerksbetrieb, der hauptsächlich Kerzen für Kirchen herstellte, entwickelte sich zu einem modernen Unternehmen mit neuer Produktionshalle, Verkaufsladen und Online-Shop. «Es grenzt wirklich an ein Wunder, dass wir schon so viele Jahre miteinander arbeiten und alle am selben Strick ziehen», sagt sie und ergänzt aus mütterlicher Sicht: «Meine Kinder sind alle drei so unterschiedlich und trotzdem funktioniert es.» Eine gute Unternehmenskultur ist Egger sehr wichtig. Sie ist erfreut, dass ihre Söhne die elterliche Philosophie weitertragen: «Uns geht es nicht nur um den Profit, wir möchten auch einen Sinn hinter der Arbeit sehen.»

Im Wandel der Zeit
Bei den Rohstoffen für die Kerzenproduktion ist einiges im Wandel. «Wir testen immer wieder Alternativen zu Paraffin, beispielsweise mit Soja‑, Raps- und Olivenwachs. Aufgrund der beschränkten Ressourcen und Haltbarkeit bleiben diese allerdings Nischenprodukte.» Bienenwachs-Kerzen sind nach wie vor gefragt, vor allem bei den liturgischen Kerzen. Für diese bestehe nach dem Kirchenrecht eine Kultvorschrift von 55 Prozent Bienenwachs-Anteil, «früher waren es noch 100 Prozent», erinnert sie sich. «Allgemein sind Altarkerzen weniger gefragt, weil weniger Messen stattfinden. Rituale mit Kerzenlicht haben allerdings zugenommen, auch gesegnete Kerzen sind nach wie vor beliebt. Ein wichtiges Produkt ist die Heimosterkerze – eine Kopie der grossen Osterkerze. Diese sind sehr beliebt und werden oft für den Heimgebrauch als Tischkerze oder Geschenk gekauft.»
Emotionales Produkt
Die Kerze als Produkt eines alten Handwerks hat für Egger eine besonders emotionale Bedeutung: «Es leuchtet und es hat einen Auftrag.» Sie betrachtet das Kerzenlicht berufsbedingt auch immer ein bisschen kritisch wegen der Brennqualität. Kerzen begleiten Menschen durch das ganze Leben von Geburt bis zum Tod. «Wir haben entsprechend viele Anfragen für individuelle Verzierungs-Wünsche, diese werden von unseren Mitarbeitenden mit viel Liebe zum Detail umgesetzt», sagt sie stolz.
«Wachs klebt – so lautet ein altes Kerzenmacher-Sprichwort und meint, dass man oft ein Leben lang mit seiner Arbeit verbunden bleibt.»
Elsa Egger

Text: Katja Hongler (es besteht keine verwandtschaftliche Beziehung zur Hongler Kerzen AG)
Bild: Ana Kontoulis
Veröffentlicht am 24.11.2022