«Ich muss mich nie alleine fühlen.»

Lore­na Torres steht kurz vor der Matu­ra. In ihrer Matu­ra­ar­beit unter­sucht die Tüba­che­rin den Nutzen des Glau­bens auf Thera­pien. Ein Thema, das ihr ­persön­lich sehr am Herzen liegt.

Ein Schreib­tisch, ein Bücher­re­gal, ein Bett – alles schön ordent­lich drapiert und aufge­räumt: Das Zimmer von Lore­na Torres sieht aus wie das vieler Kanti­schü­le­rin­nen. Hier hat die 18-Jährige in den vergan­ge­nen Mona­ten viele Stun­den verbracht, hat unzäh­li­ge Bücher, unter ande­rem von Anselm Grün, gele­sen, hat Inter­views mit Spital­seel­sor­gern tran­skri­biert und Zeile um Zeile auf ihrem Compu­ter geschrie­ben. Heraus­ge­kom­men ist eine Matu­ra­ar­beit mit dem Titel «Theo­lo­gie und Psycho­lo­gie: Wie der Glau­be unter­stüt­zend sein kann in der Thera­pie». Mit der Arbeit will Lore­na zeigen, wie der Glau­be in schwie­ri­gen Situa­tio­nen Hoff­nung geben kann. «Gott ist immer da, egal in welchem Tief ich gera­de stecke. Ich muss mich nie allei­ne fühlen.»

Persön­li­che Erfah­run­gen prägen

Lore­na Torres besucht die Kantons­schu­le am Burg­gra­ben in St. Gallen und schliesst das Gymna­si­um im Sommer ab. In der Frei­zeit ist sie gerne in der Natur unter­wegs und macht viel Sport. Erst kürz­lich hat sie Pila­tes für sich entdeckt. Zudem ist sie sehr musi­ka­lisch, spielt Cello und singt. Sie ist eine aufge­stell­te, sympa­thi­sche, junge Frau. Beim Inter­view lacht sie viel. Die Stim­mung ist ausge­las­sen. Aber Lore­na hatte, wie viele ande­re junge Menschen, auch weni­ger gute Tage. In solchen Momen­ten habe sie gemerkt, wie der Glau­be tragend sein kann. «Er gibt mir Orien­tie­rung und Unter­stüt­zung. Und neue Kraft in mir. Ich kann immer wieder zu Jesus kommen und mit ihm spre­chen.» Lore­na weiss, dass der Glau­be kein Allzweck­mit­tel gegen Verstim­mun­gen ist, «aber er kann uns eine ande­re Sicht­wei­se auf die Dinge geben. Wich­tig ist, dass ein Pati­ent bezie­hungs­wei­se eine Klien­tin offen ist, diese Perspek­ti­ve wahr­zu­neh­men». Lore­na Torres persön­lich fiel das nicht schwer. Dies ist wenig verwun­der­lich. Der Glau­be spielt seit jeher eine bedeu­ten­de Rolle in ihrem ­Leben. Sie ist in der Adoray-Bewegung in St. Gallen und Mitglied der Schönstatt-Jugend. Mitt­ler­wei­le ist sie dort in der ­Lager­lei­tung aktiv. Und auch ihre nahe Zukunft plant sie bei der katho­li­schen Kirche St. Gallen. Im Sommer star­tet sie ein Prak­ti­kum in der Admi­nis­tra­ti­on der flade und im Sekre­ta­ri­at der Dompfar­rei. «Ich freue mich sehr darauf.»

Inter­es­se aus dem Umfeld

In ihrer Matu­ra­ar­beit, die mit einer Best­no­te bewer­tet wurde, thema­ti­siert Lore­na Torres auch den sozia­len Aspekt des Glau­bens: «Glau­be hat immer auch mit Gemein­schaft zu tun. Wenn ich mich wohl­füh­le in einer Gemein­schaft, kann das posi­tiv wirken.» Lore­na Torres steht offen zu ihrem Glau­ben. Sie ist sich bewusst, dass das nicht nur auf Verständ­nis stösst. «Viele haben mitt­ler­wei­le eine nega­ti­ve Einstel­lung zur Kirche. Das ist scha­de.» Wie haben denn die Mitschü­le­rin­nen und Mitschü­ler auf die Themen­wahl reagiert? Lore­na Torres ­lächelt: «Es war sehr inter­es­sant. Viele in meinem Umfeld sind nicht reli­gi­ös, aber genau sie waren inter­es­siert und haben viele Fragen gestellt. Das finde ich natür­lich cool und wirkt moti­vie­rend.» Etwas unter­schei­det das ­Zimmer von Lore­na Torres dann eben doch von dem vieler Kanti­schülerinnen: Auf dem Pult liegt eine Bibel – ihre Mega­quelle: «Bei wich­ti­gen Entschei­dun­gen schla­ge ich sie auf und lese passen­de Bibelstellen.»

Text: Ales­sia Paga­ni
Bild: Urs Bucher
Veröf­fent­li­chung: 28. März 2025

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